Zehengänger GbR, Hauptstraße 66, 30916 Isernhagen

Ein sensibles Thema, über das sich immer wieder gestritten wird und bei dem kaum Zugeständnisse gemacht werden, ist die Zwingerhaltung. Dabei ist Zwingerhaltung nicht generell gut und auch nicht generell schlecht.

Wohnungshaltung kann auch doof sein

Wenn Hunde zeitweise alleine bleiben müssen, sehen viele Menschen ein Problem darin, den Hund zeitweise in einem Zwinger unterzubringen, statt ihn in der Wohnung zu lassen. Dabei kann das Warten in der Wohnung für Hunde sehr viel langweiliger sein, als das Warten in einem Zwinger.
Die Gerüche in der Wohnung sind immer gleich, die Geräusche auch und – auch wenn es für den Halter schöner aussieht – eingesperrt ist der Hund trotzdem.

Vorteile eines Zwingers

Enzo, Deutscher Schäferhund, mittelschwere HD, Schutztrieb, Tierheim Bamberg

Es gibt durchaus Hunde, die gerne Zeit in einem Zwinger verbringen, denn wenn dieser artgerecht gestaltet ist, kann ein Hund darin eher seinen Bedürfnissen nachgehen, als in einer Wohnung, wo sich Hund stets benehmen muss.
Ein Zwinger mit Naturboden ermöglicht auch mal das Buddeln, Gras rupfen, ein Hund kann sich auch mal auf seine Hütte stellen, andere Blickwinkel einnehmen und über „Tische und Bänke gehen“. Die Wahrnehmung über die Nase ist vielfältiger, weil die Frischluft neue Gerüche übermittelt, die Welt ist abwechslungsreicher.
Dreht ein Hund seinen Zwinger auf links und macht Dreck, gibt es keinen Ärger, der Halter hat dadurch kein Problem. Ein guter Zwinger ist fast so etwas, wie ein eigenes Zimmer, das, erfreulicherweise, nie vom Hund selbst aufgeräumt werden muss, frei von menschlich ästhetischen Ansprüchen und Ordnungsliebhaberei.

 

 

Nachteile eines Zwingers

bx_haegga4Aufgrund unserer Witterungsbedingungen sind nicht alle Hunderassen für die reine Außenhaltung geeignet. Es gibt aber durchaus nicht wenige Hunde, die gerne draußen leben und ungerne im Haus.
Viele Hunde, die ausschließlich im Zwinger gehalten und sozial vernachlässigt werden, leiden aber unter der reinen Haltung im Zwinger, wenn er als Abstellgleis missbraucht wird. Bei reiner Zwingerhaltung ist der tägliche Umgang zwischen Hund und Halter genauso unverzichtbar, wie ausreichend körperliche Auslastung.

Hunde (und ihre Halter) müssen heute weniger Umweltreizen gerecht werden. Es ist bekannt, dass Hunde (genau wie Menschen) immer anfälliger gegenüber Allergenen werden und häufiger beim Tierarzt vorstellig werden müssen. Hunde, die im Zwinger gehalten werden, sind gegenüber Hunden der selben Rasse, die nicht im Zwinger gehalten werden, häufig deutlich gesünder.

Die vorübergehende Unterbringung im Zwinger kann Halter und Hund entlasten und teilweise sogar dazu führen, dass Hunde behalten werden können, die unter anderen Umständen sogar in Tierheimen abgegeben werden müssten (z.B. bei unfreundlichem bis gefährlichen Auftreten gegenüber fremden Menschen). Damit möchte ich nicht sagen, dass ein Wegsperren (nicht nur in Zwingern, sondern auch innerhalb von Wohnungen) eine generelle Lösung für Fehlverhalten ist, dem ist nicht so.

Die Vermittlung in einen Zwinger

am_staff_mix_gulliverIch weiß, dass fast alle Tierheime ihre Vermittlungshunde nicht an Halter weitergeben, die zugeben, über einen Zwinger zu verfügen. Leider wird oft vergessen, sich an die eigene Nase zu fassen. Immernoch viel zu viele Tierheime halten ihre Vermittlungshunde 24 Stunden im Zwinger, die häufig viel zu klein sind und keinen gesetzlichen Mindestanforderungen gerecht werden. Die gesetzlich geforderten Rahmenbedingungen zur Zwingerhaltung müssen Tierheime (im Gegensatz zu Privathaltern) auch nicht erfüllen. Denn eigentlich sind sie dafür gedacht, Hunde nur vorübergehend zu beherbergen, um sie dann in neue Hände weiter zu vermitteln. Leider sieht die Realität völlig anders aus – Tierheime beherben heute häufig weit über 50 % schwer vermittelbare Hunde, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht leicht vermittelbar sind. Sie sitzen häufig über Jahre oder bis an das Ende ihres Lebens in Tierheimzwingern, die nicht artgerecht sind. Genau genommen ist es so, dass die meisten Privathalter, die von Tierheimen verurteilt werden, häufig weit höhere Ansprüche erfüllen, als die Tierschützer selbst.

Fazit

Zwingerhaltung ist, meiner Meinung nach, immer individuell zu beurteilen.
Es gibt nicht wenige Hunde, die gerne draußen leben und ungerne im Haus. Nicht jeder von uns hat so einen Hund. Aber jeder, der schon mal so einen Hund hatte, wird erlebt haben, wie sehr Hunde unter „Innenhaltung“ leiden können.
Auch Hunde, die unfreundlich bis gefährlich gegenüber fremden Menschen auftreten, können im Zwinger sicher und artgerecht untergebracht werden, statt angebunden oder in einem anderen Zimmer weggesperrt werden. Die Zeit im Zwinger kann von einem Hund schöner genutzt werden, als in einem Raum.

Letztlich bleibt die Zwingerhaltung Geschmacks- und Ansichtssache, die jeder Hundehalter für sich selbst frei entscheiden sollte. Es gibt viel zu viele unglückliche Hunde, die von ihren Haltern vernachlässigt werden. Ob ein Hund dabei im Zwinger gehalten wird, oder nicht, ist dafür jedoch kein Anhaltspunkt.

Hier geht’s zur Tierschutz Hundeverordnung, in der u.a. alles über die gesetzlichen Mindestanforderungen zu finden ist.

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