Zehengänger GbR, Hauptstraße 66, 30916 Isernhagen

Wenn der Jahreswechsel näher rückt, sind nicht alle begeistert. Einige Hunde leiden unter starken Ängsten, die sich in unterschiedlicher Intensität bemerkbar machen. Einige Hunde haben generell Angst vor lauten Geräuschen, zu der Angst vor einem Feuerwerk kommt natürlich auch noch der Geruch nach Schwefel und die Stimmung der Halter hinzu.

Training für Silvester?

Hunde, die unter einer ausgeprägten Geräuschangst leiden und das ganze Jahr immer wieder in Angst geraten, kann und sollte man trainieren, um ihnen das Leben leichter zu machen. Hunde, die nur selten, z.B. an Silvester oder bei starkem Gewitter, in Panik geraten, ansonsten aber gut zurecht kommen, muss man, unserer persönlichen Ansicht nach, nicht unbedingt einer Verhaltenstherapie unterziehen. Der Stress, sie schrittweise an das Auseinandersetzen mit der Angst heranzuführen und sie am Ende zu überstehen, ist für die meisten Hunde sehr viel anstrengender und aufregender, als sich „einmal im Jahr“ miserabel zu fühlen – und kurz danach wieder gut klar zu kommen.

 

Medikamente?

Es gibt leichte, pflanzliche Mittel, die beim Senken von Stress helfen sollen. Schaden tun sie mit Sicherheit nicht, gegen den Einsatz ist nichts zu sagen. Wir haben bislang noch keinen Durchbruch erleben dürfen. Aber wenn Linderung erreicht werden kann, sollten sie nicht fehlen.

Pheromonhalsbänder, die beruhigend wirken, können teilweise Stress mindern, aber auch hier ist die Wirkung unserer Erfahrung nach alleine nicht stark genug.

Starke Beruhigungsmittel werden von einigen Tierärzten immer noch per se verschrieben. Es gibt allerdings Präparate, die die Wahrnehmung nicht einschränken, sondern nur die Reaktionsfähigkeit. Bei Bewusstsein Angst zu haben, aber nicht in der Lage sein, die noch ausdrücken zu können, finden wir schrecklich. Auch (andere) Psychopharmaka sind im Einsatz nicht unbedingt unbedenklich, am Ende muss das aber ein Tierhalter nach Aufklärung durch den Tierarzt und den Ernst der Lage für sich und seinen Hund aber selbst entscheiden. Es ist wichtig, umfassend aufgeklärt worden zu sein, wie ein Mittel wirkt.

Hunde, die in extreme Verhaltensmuster fallen, nur noch raus wollen und sich dabei auch (fast) selbst verletzen, kann man eventuell aber (vorerst) nur medikamentös ruhig stellen.

Der Tierarzt Ralph Rückert hat dazu einen umfassenden Blogartikel geschrieben. 

Angst ignorieren?

Wir würden einen Hund, der Angst hat, nicht ignorieren. Allerdings kann man einen ängstlichen Hund eben auch nicht trösten und damit beruhigen. Beruhigung kann über Körperkontakt funktionieren – vorausgesetzt, der Halter ist entspannt und kann seine eigene, innere Ruhe auf den Hund übertragen. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, macht es Sinn, den eigenen (kleinen) Hund auf dem Schoß sitzen zu lassen, bzw. neben ihm zu sitzen und einfach mit ihm abzuwarten. Streicheln und beruhigend auf den Hund einreden, hat nicht viel Sinn.

Andere Hunde verkriechen sich und sind lieber für sich alleine – das ist auch okay. Kein Hund sollte hinterm Ofen hervor gezogen werden, nur um Körperkontakt zu erzwingen, weil es helfen könnte.

Management

Wir machen mit unseren Hunden das übliche Management. Man muss dazu sagen, dass unsere Hunde fast alle ziemlich cool sind, was Feuerwerke angeht. Nur eine Hündin findet Silvester schrecklich und einzelne Böller auch. Die fliegen bekanntlich einige Tage davor und danach.

– einen Hunderückzugsraum gestalten, Jalousien runter lassen
– entspannter Geräuschpegel (Radio, klassische Musik, Fernseher)
– entspannten Rahmen schaffen (entspannter Besuch, keine Megaparty)
– eine Hundebox (offen)anbieten, Verstecke zugänglich machen (z.B. unter dem Bett)
– Geräuschschutz für den Hund (Mutt Muffs®, Schal, Kopfverband)
– ggfl. rechtzeitig pflanzliche Mittel/Medikamente/Eierlikör (Tierarzt/Tierheilpraktiker)
– selbst entspannt sein!
– sich nicht verrückt machen, wenn der eigene Hund über Stunden aufhält und zwei drei Tage so gar nicht raus will

Die Tierärztin Sophie Strodtbeck hat zum Thema Gehörschutz eine super einfache Anleitung. 

Hunde in Pension

Wir erhalten vor Silvester öfter Anfragen, ob wir Hunde aufnehmen könnten, damit die Halter zur Silvesterparty gehen können. Wenn die Hunde uns kennen und sich bekanntermaßen in der Hundepension wohl fühlen, ist das bei rechtzeitiger Anmeldung kein Problem. Wir verbringen den Silvesterabend mit unseren (Gast)Hunden in der abgedunkelten Hundepension bei klassischer Musik und innerer Ruhe.

Wir würden allerdings keine fremden Hunde aufnehmen. Selbst, wenn die bislang kein Problem mit Silvester haben. Die können sich dann nämlich in einer fremden Umgebung ohne Bezugsperson plötzlich doch schrecklich fühlen und das haben sie nicht verdient.

Wer an Silvester weg möchte, sollte den eigenen Hund am besten an persönlich bekannte Menschen geben, die ein (sozial) sicheres Umfeld bieten können.

„Silvesterangst“ vorbeugen?

Je entspannter man selbst mit dem Stress des eigenen Hundes umgehen kann, empathisch, aber nicht mitleidig ist, umso gewappneter startet der eigene Junghund/der neue (Tierheim)Hund in sein erstes Silvester.

Natürlich gibt es Hunderassen, die entwickeln sehr schnell Angst davor. Manchmal kann man als Halter alles richtig gemacht haben und trotzdem entwickelt sich die Angst vor Silvester. Niemand sollte sich deshalb fertig machen. Manche Dinge hat man nicht in der Hand.

Wir wünschen allen Zwei- und Vierbeinern einen stressfreien Jahreswechsel.

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