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Der Partylöwe
Der Partylöwe

Hundehalter, die dieses Problem noch nie erlebt haben, können sich glücklich schätzen. Denn die sogenannte Trennungsangst kann das Leben von Hund und Halter sehr schwer machen. Es belastet das Zusammenleben und führt dazu, dass Hundehalter ohne ihren Hund eigentlich nirgendwo mehr hin können und das ganze Leben entsprechend umgestellt werden muss.

Die meisten Hunde, die nicht alleine bleiben können (oder wollen?), bellen laut und anhaltend, kauen auf Gegenständen herum oder zerstören im großen Stil Einrichtung und Bausubstanz. Die Symptome können einzeln oder im Kombination auftreten.

Eine Frage der Veranlagung?

Es gibt Hunderassen, die genetisch dazu neigen, nicht gut alleine bleiben zu können. Das bedeutet aber nicht, dass die Rasse alleine eine Aussage darüber zulässt, ob ein Hund alleine bleiben kann, oder nicht.

Langeweile oder Überforderung?

Einigen Haltern wird geraten, den Hund „besser auszulasten“, die Trennungsangst wird dann als Beschäftigungsmaßnahme des Hundes erklärt, weil er sich angeblich langweilt.

Wir halten das für falsch. Erfahrungsgemäß können die meisten Hunde deshalb nicht alleine bleiben, weil sie es nicht aushalten, dass ihr Halter geht und sie keine Kontrolle mehr darüber haben, was er tut.

Viele Hunde, die Schwierigkeiten haben, alleine zu bleiben, zeigen auch im Alltag an, dass sie immer eng bei ihrem Halter sein wollen, laufen viel hinterher, liegen auf den Füßen und sind selbst im Schlaf immer mit einem Ohr bei ihrem Menschen.

Dieser „Kontrollwahn“ bringt für den Hund eine Menge Arbeit mit sich, weil er sich nie wirklich entspannt zurücklehnen kann, denn er hat ja einen selbst auferlegten Auftrag, den er emsig verfolgt. Von daher wäre eine alternative Auslastung eher kontraproduktiv, den zu tun hat ein solcher „Kontrolletti“ mehr als genug.

Die meisten Halter interpretieren die stetige Aufmerksamkeit ihres Hundes jedoch schlicht als Liebesbeweis und sind froh darüber, dass ihr Hund zwar nicht alleine bleiben kann, aber sonst immer sehr treu hinterher läuft.

Von Zerstörern und Partylöwen…

Einige Hunde zerkauen Gegenstände, um sich ein Ventil zu suchen. Das Kauen bei Hunden erfüllt dabei einen ähnlichen Zweck wie das Nuckeln bei Kleinkindern – es wirkt beruhigend. Am häufigsten kann man das bei Welpen und Junghunden beobachten, wenn sie die ersten Male unbeaufsichtigt sind (oder sich unbeobachtet fühlen…).
Kauen macht glücklich und baut Stress ab.

Einige Hunde kauen aber nicht nur auf Gegenständen, sondern zerlegen ehemals große Objekte (z.B. Eingangstüren, Autointerieur) in filigrane Einzelteile. Dazu werden häufig auch die Pfoten mit heftigem Kratzen eingesetzt. Viele dieser Zerstörer möchten gezielt ihrem entwischten Halter folgen, betroffen sind deshalb häufig Ein- und Ausgänge oder Fenster.

Diese Zerstörungswut kann Symptom einer niedrigen Frustrationstoleranz in Bezug auf einen bestimmten Stressor (z.B. Eingesperrtsein, Halter weg) sein und kann auch zu Verletzungen des Hundes führen, viele kratzen sich dabei die Pfoten blutig oder haben heftige Schrammen im Zahnfleisch. Für die betroffenen Hunde ist es genauso belastend, wie für die Halter.

Aber: Hunde kommen auch einfach so mal auf dumme Gedanken und haben zu zweit oder zu dritt noch viel mehr Spaß daran, sich gemeinschaftlich einem Projekt zu widmen. Das kann bei erwachsenen, eigentlich vernünftigen Hunden auch mal passieren. Beliebt sind Daunendecken, gefüllte Hundekörbe oder auch mal die guten Lederschuhe.

Trennungsangst gibt es wirklich

Natürlich gibt es Hunde, die wirklich Verlassensängste haben. Es ist jedoch seltener der Fall, als die Halter es befürchten. Häufig neigen z.B. Hunde aus zweiter/x-ter Hand dazu, ihren neuen Halter im neuen Zuhause auch gut im Auge zu behalten.
Eventuell kann ein einschneidendes Erlebnis (Aussetzen, Schreck in Abwesenheit des Menschen, etc.) auch ein gut nachvollziehbarer Grund für Trennungsangst sein.
Dennoch sind die Übergänge zum Kontrollwahn manchmal fließend.

Es ist wichtig zu verstehen, ob ein Hund nicht alleine bleiben will oder ob er nicht alleine bleiben kann. In beiden Fällen kann man seinem Hund helfen und sollte dies auch tun. Denn das Verhalten belastet den Hund seelisch mindestens genauso schwer, wie seinen Menschen.

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