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Ruhe und Schlaf – Bedeutung für Hunde

Es ist hinlänglich bekannt, dass Schlafstörungen negative Folgen für die Gesundheit nach sich ziehen.

Die meisten Hundehalter wollen gute Hundehalter sein – und heutzutage wird überall betont, wie wichtig es ist, Hunde geistig auszulasten. Wir machen also Hundesport, kaufen Denkspielzeug für Hunde, buchen Beschäftigungskurse und hetzen nach der Arbeit so schnell wie möglich nach Hause, um unseren vermeintlich unterbeschäftigten Hund ein vernünftiges Abendprogramm zu bieten. Unser Hund soll schließlich auch was machen, wenn er einige Stunden alleine zuhause bleiben musste.

Und dass es so sein muss, wird von vielen Trainern, Hundezeitschriften und Hundehaltern propagiert. Unterbeschäftigte Hunde werden unausgelastet. Und unausgelastete Hunde machen Probleme – sagen sie.

Das ist nicht so. Kein Hund entwickelt Problemverhalten, weil er zu lange schlafen kann und sich auch mal langweilen muss. Hunde entwickeln hauptsächlich dann Verhaltensweisen, die zu Problem werden können, wenn sie nicht ausreichend schlafen und nie gelernt haben, Ruhe zu halten. Aber trotzdem ist da immer diese Sorge, dass der eigene Hund zu wenig Beschäftigung hat.

Die meisten Hunde, die ins Training kommen, sind überbeschäftigt, weil sie ständig damit beschäftigt sind, beschäftigt zu sein. Sie folgen ihren Besitzern auf Schritt und Tritt, kommen nie zur Ruhe, sind ständig aktiv und wenn sie nicht selbst was machen, werden sie mit Beschäftigungsmaßnahmen beschäftigt. Trotzdem werden diese Hunde als nicht ausgelastet eingeschätzt und sollen mehr ausgelastet werden – durch künstliche Beschäftigung.

Ruhe und Schlaf sind wichtig für Körper und Geist, Schlaf ist überlebensnotwendig und sollte deshalb ein genauso großes Interesse erfahren, wie körperliche Auslastung und geistige Beschäftigung, oder eine gesunde Ernährung des Hundes.

Was passiert mit dem Körper, wenn er zu wenig Ruhe und Schlaf erfährt?

Schlaf ist ein Zustand der völligen Ruhe, zu wenig Schlaf macht krank – wer nicht schläft, würde sterben. Wer schlecht schläft, hat meist Stress und fühlt sich unwohl. Dabei führt zu wenig Schlaf zu Stress und Stress führt zu zu wenig Schlaf.

Schlafentzug macht überdreht, unkonzentriert, grobmotorisch, reizbar, nervös, aggressiv, kränklich und schließlich chronisch oder (schwer) krank.

So ist es nicht verwunderlich, dass Verhaltensstörungen und organische oder hormonelle Erkrankungen in Verbindung mit dem Schlafentzug gebracht werden. Und natürlich gibt es auch Erkrankungen, die zu einer Schlafstörung führen können.

Wozu braucht ein Körper Schlaf?

Schlaf ist wichtig für die Stoffwechselvorgänge im Körper, er fördert das Wachstum, die Wundheilung und steht in Zusammenhang mit dem Tag-Nacht-Rhythmus, weshalb auch ein gut funktionierendes Hormonsystem abhängig ist von gutem Schlaf. Besonders wichtig ist ausreichend Schlaf für die Funktion des Immunsystems, wer krank ist, muss viel schlafen, um schnell wieder gesund werden zu können.

Wer schläft, spart gar nicht viel Energie ein, denn das Gehirn ist auch im Schlaf sehr aktiv und verbraucht sie. Aber die Körpermuskulatur entspannt sich und kann sich regenerieren. Teile des Gehirns verarbeiten das am Tag Erlebte und speichern Informationen im Langzeitgedächtnis, was die Voraussetzung dafür ist, dass überhaupt gelernt werden kann. Überflüssige Informationen, die das System „belasten“, werden aussortiert und gelöscht – so ist ein ausgeruhter Hund am nächsten Tag wieder in der Lage, neue Informationen zu verarbeiten und ist nicht ständig überlastet, weil er nicht ausreichend filtern kann. Andere Gehirnteile ruhen sich während des Schlafs aus und regenerieren.

Wer nur erlebt und nichts verarbeitet, ist nicht ausgelastet, sondern überlastet.

Wie lange muss ein Hund schlafen?

Welpen verschlafen fast den ganzen Tag, denn sie müssen wachsen, gesund bleiben und Informationen verarbeiten, es ist deshalb durchaus normal, wenn ein Welpe rund 20 Stunden schläft.

Erwachsene Hunde brauchen weniger Schlaf, im Schnitt ruhen und schlafen sie jedoch rund 15 Stunden am Tag (abhängig von Alter, Größe, Rasse und Gesundheitszustand).

Wie lernt ein Hund, Ruhe (auszu)halten?

Während einige Hundetypen und Rassen von selbst oder durch eine entsprechende Haltungsform von selbst Ruhezeiten einhalten und genießen, sind viele Hunde heute nicht mehr in der Lage, von selbst Ruhe zu halten.

Wer schon einmal ein Kleinkind dazu überreden wollte, ins Bett zu gehen, hat erfahren dürfen, dass Menschen und Hunde sich da sehr ähnlich sind.

Ruhe halten, sich auch mal langweilen müssen und mit sich selbst beschäftigt sein, die Umwelt beobachten und passiv erleben ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Sich langweilen führt auch zu Frust. Aber es ist die Aufgabe eines Hundehalters, seinem Hund beizubringen, Frust aushalten zu können, indem ein Hund erfährt, dass er mit Frust umgehen lernen muss (und kann!).

Ein Hund darf Ruhe doof finden und auch dagegen rebellieren – durch Kläffen, Jammern, Wimmern und Nerven. Es sollte aber keinesfalls dazu führen, dass die Ruhe dann unterbrochen wird, indem ein Ball fliegt, gefüttert wird oder die Ruhe dann doch besser schnell wieder abgeschafft wird, indem ein Hund wieder tun darf, was ein Hund tun will.

Was bei Kindern schlecht ist, kann bei Hunden nicht gut sein. Dafür sind sich Mensch und Hund einfach zu ähnlich. Und an dieser Stelle wäre es gut, wenn Hundehalter ihre Hunde vermenschlichen würden und das, was sie bei ihren Mitmenschen nicht zulassen würden, auch bei ihrem Haustier nicht durchgehen lassen.

Hundewellness – ein Tag im Garten.

Wer sich ruhig hinsetzt, hinlegt oder hinstellt, der kommt zur Ruhe – wer die ganze Zeit über zappelt und hin und her läuft, kann nicht zur Ruhe kommen. Jeder von uns wünscht sich mehr Ruhe – warum gönnen wir unseren Hunden nicht auch mehr davon?

Es wäre gut, wenn sich wieder mehr Hundehalter trauen würden, mal einen Tag in der Woche fast gar nichts mit ihrem Hund zu machen, damit er statt dessen schlafen kann, im Garten rumliegen darf um seine Umgebung ganz in Ruhe wahr nehmen zu können. Mal nicht Gassi gehen, mal niemanden treffen, mal nichts machen müssen, mal nicht hören müssen. Hundewellness sozusagen.

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