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Und sei das Stöckchen noch so klein – ich werd‘ verrückt!

Die Beschäftigung mit Hundespielzeug sollte viel gründlicher hinterfragt und besprochen werden, als es üblicherweise der Fall ist. Als Hundehalter muss man heute erklären, warum Hund kein Spielzeug hat, selbstverständlich ist nur das Gegenteil.

Das Werfen von Gegenständen macht Hundehaltern fast genauso viel Spaß wie das Fangen derselben den Hunden. Warum das so ist, fragt sich kaum jemand.
Das Ball“spielen“ ist genau genommen eben kein Spiel, sondern eine Form von Jagdverhalten, dass der Hundehalter mit künstlicher Beute (Ball/Stock) auslöst und das vom Hund mit Hinterherhetzen/Zupacken beantwortet wird.

Das Jagdverhalten ist ein selbstbelohnendes Verhalten, also eines, bei dem Glücksgefühle ausgelöst werden die so toll sind, dass eine Bestätigung durch den Menschen gar nicht notwendig ist. Bällchen werfen kann deshalb jeder – es ist dem Hund völlig egal, wer seine Glücksgefühle auslöst, der Mensch ist austauschbar.

Ein richtiger Bulljunkie geht für einen Ball mit jedem mit – und auch überall hin. Ein richtiger Balljunkie springt für seinen heißgeliebten Ball sogar aus dem offenen Fenster im vierten Stock, ganz ohne Zögern. Das ist eigentlich gar nicht witzig, sondern eine lebensgefährliche Verhaltensstörung.

Trotzdem nutzen Hundehalter die Abhängigkeit ihres Hundes von Spielzeug zu ihren Gunsten aus, egal, ob im Hundesport oder im Alltag zur Ablenkung bei unangenehmen Situationen wie z.B. Hundebegegnungen. In Tierheimen werden Tierheimhunde mit Ballwerfen verrückt gemacht, damit sie „wenigstens etwas Spaß und Bewegung haben“. Diese Annahmen sind falsch.

Ein auf Spielzeug fixierter Hund fällt schon beim Gedanken daran in eine andere Welt. Eine Welt, in der nichts mehr zählt, außer die Aussicht auf so viele Glücksgefühle, dass sie einen richtigen Kick verschaffen. Der Hund geht über in ein Suchtverhalten, hängt fest in der Abhängigkeit nach Spielzeug und wird infolge dessen gestört in der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit.

Suchtverhalten ist krankhaft, niemals gesund und schon gar kein Spiel. Suchtverhalten beim Hund sollte kein Hundehalter bedenkenlos auslösen und somit fördern. Hundesportler sagen „Trieb macht blöd und viel Trieb macht viel blöd.“, sie kennen das Kernproblem und treffen den Nagel damit genau auf den Kopf.

Terrier, Pinscher, Hütehunde oder auch Rassen für den Gebrauchshundesport neigen ganz besonders dazu, Balljunkies zu werden und nie genug zu bekommen. Einige Hunde werden niemals süchtig nach einem kleinen Ding aus Kunststoff und würden dafür auch nicht ihre Gesundheit riskieren.

Nicht wenig Hunde jedoch bleiben bei einer Spielzeugsucht nicht beim Spielzeug. Sie werden süchtig nach Bewegungsreizen und können nie genug davon bekommen. Sie jagen dann Joggern, Radfahrern, Autos, Flugzeuge im Himmel, Wespen etc. hinterher.
Spätestens dann merken die meisten Halter, dass mit ihrem Hund etwas nicht stimmt und sind kaum mehr in der Lage, ihn überhaupt noch auszuführen. Die Probleme werden nicht nur immer größer, sondern auch immer zahlreicher. Eine Verhaltenstherapie, um diese Süchte loszuwerden, ist schwierig, langwierig und teilweise unmöglich (bis hin zur Euthanasie).

Als wäre die Sucht nach Bewegungsreizen (die gar nicht jagdbar sind) nicht schon krank genug, haben viele Hunde auch großes Interesse an Quietsch-Spielzeugen. Warum das so ist, will so genau niemand hinterfragen. Das Quietschen imitiert Schreie der Beute (z.B. den Todesschrei eines Kaninchens).

Hunde reagieren irgendwann also nicht mehr nur auf Bewegung mit heftigem Hinterherhetzen (und Zubeissen), sondern sind auch schon bei quietschenden Geräuschen aus der Umwelt wie elektrisiert auf der Suche nach dem nächsten Beutereiz.

Nicht nur Quietschespielzeug quietscht. Auch Kinder kreischen und quietschen. Immer mehr Hunde reagieren auf Säuglinge und Kinder mit heftigem Jagdverhalten und sehen sie als Beute, nicht als Menschen. Die Gefahr, die von solchen Hunden ausgeht, ist unermesslich groß und bekannt aus den Medien.

Die Spielzeugregale in den Zoohandlungen sind vollgestopft mit Quietschies, Bällen, Tauen und reich an Kuscheltieren, die von den Plüschtieren unserer Kinder nicht mehr zu unterscheiden sind. Eigentlich logisch, dass ein Hund, der selbst eine Kuscheltiersammlung besitzt, nicht wissen kann, dass Kuscheltiere von Kindern KEIN Spielzeug für ihn sind. Trotzdem werden Kinder angesprungen und ihnen der Teddy entrissen, von fremden, freilaufenden Hunden, die das bislang „noch nie gemacht“ haben. Auch Hunde, die das gar nicht böse meinen, können einen sehr hohen Preis dafür zahlen. Der Anzeige folgt meist eine Gefährlichkeitseinstufung mit Leinen- und Maulkorbzwang (Stichwort: Maulkorb) und die Vorladung zum Wesenstest, der letztlich über den Verbleib des Hundes (sein Schicksal) entscheidet.

Hundehalter, die für ihren Hund Spielsachen anschaffen, möchten ungerne das sinnfreie und gefährliche Potenzial darin erkennen, selbst, wenn sie es hören oder lesen. Ich kann es nur jedem verantwortungsbewussten Hundehalter raten: Schmeisst alles weg und macht alles anders.

Wie beschäftige ich meinen Hund, wenn er kein Spielzeug mehr hat?

Spaß haben – zu zweit im Sozialkontakt mit Hirn und Herz.

– Spiel mit dem Halter
– Spiel mit Artgenossen
– Suche nach Futter/Gegenständen
– Mantrailing/Fährtensuche/etc.
– lange, abwechslungsreiche Spaziergänge
– Klettern/Balancieren
– Fahrradfahren
– gar nicht

Einfach mal nichts tun und den Hund sich langweilen lassen, ist gar nicht so schlimm. Der Hund wird nicht an Unterforderung zugrunde gehen, im Gegenteil. Die meisten Hunde müssen lernen, was ihnen keiner beibringen möchte: Ruhe aushalten, mal nicht dran sein, einfach schlafen und die Welt Welt sein lassen. Das gilt auch für Hunde in Tierheimen: Üben, Stillzusitzen, bringt mehr als Stöckchenspielen, weil es anstrengend ist, etwas gelernt wird und man zusammen etwas macht.

Meins! Oder: wenn Gummi wichtiger ist, als Höflichkeit.

Der Spielzeugentzug hat für Hunde den Vorteil, dass sie durch ihre Abstinenz die Welt neu und anders wahr nehmen können, sie bekommen mehr mit, müssen mehr verarbeiten und sind seltener im High-Level unterwegs. Sie fahren seltener und nicht mehr so extrem hoch, in allen Bereichen.

Die Wegnahme von Spielzeug zieht Nachteile für den Halter nach sich: Wenn Spielzeug als Belohnung oder Ablenkung wegfällt, muss der Halter mehr dafür tun, sich mit und über den eigenen Hund zu freuen. Und wenn die Hundebegegnungen ohne Ball nicht zu ertragen sind, führt kein Weg um Training. Hundeerziehung macht nicht immer Spaß, Erziehung ist kein Ballspiel, sondern ein dauerhaftes, lebenslanges Gespräch zwischen Hund und Halter (mal gewinnt der Hund, mal der Halter ;)).

2 pensieri su “Kaputt gespielt”

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